Kommentar: IoT - Das Internet der Dinge, wer braucht's?

Kommentar: IoT - Das Internet der Dinge, wer braucht's?

Schöne neue Welt, wenn es nach den Marketing-Strategen geht. Alles, aber auch wirklich alles, soll sich nach deren Meinung mit dem Internet verbinden können. Doch wohin geht die Reise? Ist wirklich alles "toll" und "smart", was möglich ist? Ein sarkastischer Kommentar.

Das Internet der Dinge, das Internet of Things, kurz IoT ist das Schlagwort fast aller Elektonikgerätegersteller. Es gibt Kaffeemaschinen, die über das Internet neue Kaffeerezepturen für die Kapselbrühe abrufen, Küchenmaschinen laden Ihre Rezepte aus dem weltweiten Netz und teilen die Ergebnisse der maschinellen Kochversuche auf Facebook & Co. Natürlich darf des deutschen Liebling, das Auto, nicht fehlen. Autonomes Fahren ist das Zukunftsmodell der mobilen Industrie.

Gadgets

Bestellen auf Knopfdruck

Lange Zeit galt der intelligente Kühlschrank als das Beispiel für eine sinnvolle Nutzung des Internets. Soll er doch neue Lebensmittel automatisch bestellen, wenn der zu kühlende Inhalt langsam zur Neige geht. Amazon hat es quasi realisiert, ein Plastik-Knopf für ein Markenprodukt mit etwas Elektronik und schon kann der technikaffine Konsument das zugehörige Produkt per Knopfdruck beim Versandriesen bestellen. Ohne Nachzudenken, einfach nur drücken. Findige Nerds haben natürlich schon herausgefunden, wie sich das lustige Knöpfchen für eigene Zwecke umfunktionieren lässt. Per Knopfdruck werden alle Kollegen darüber informiert, dass der Kaffee in der Teeküche des Büros durchgelaufen ist. Auch nicht schlecht. Weitere Ideen finden sich hier.

Zerhackte Cuisine? Aber mit WLAN!

Wahrscheinlich mache ich mir viele Feinde, wenn ich das Küchengerät par Excellence als Häcksler mit optionalen WLAN-Anschluss bezeichne: Den Thermomix mit Cook-Key. Es ist das hippe Gadget seit der Erfindung des Smartphones - von einem Staubsaugerhersteller... Das Gerät holt sich per Internet die neuesten Rezepte, um Lebensmittel genüsslich zu zerhacken und zu temperieren. Na, das kann ja nur gut sein.

Fahren ohne Hirn

Eigentlich fahren schon genug Autofahrer/-innen ohne nennenswerte Gehirnmasse herum, so zumindest scheint dies der tägliche Wahnsinn auf Deutschlands Straßen zu suggerieren. Was liegt da also näher, den Piloten der vierrädrigen Schwadronen die lästige Arbeit des Lenkens und Denkens abzunehmen. Autonome Automobile versprechen Sicherheit im Verkehr auf höchster Ebene. Computer machen keine Fehler, bis vielleicht auf Teslas Autopiloten, der einen LKW übersehen hat. Wie sieht es hier mit moralischen Entscheidungen aus, im Falle wer in einer Notsituation überfahren wird? Schöne neue heile Welt aus Bits und Bytes, die über Tod oder Leben entscheiden soll.

Smarte Dinge

Taucht das Wort "Smart" auf, denke ich eher an die Comics "Clever & Smart". Auch hier suggeriert das Marketing dem mündigen Verbraucher, wie toll neue "smarte" Technik doch sei. Smarte Fernseher, smartes Zuhause, alles ist vernetzt und Jeder kennt Jeden. Oder kennen vielleicht eher datenhungrige Unternehmen jeden Verbraucher?

Stopp!

Spinnt man die Gedanken der Hersteller weiter, die alles versuchen "smart" zu machen, um noch mehr Profitmaximum zu generieren, so bewegen wir uns auf eine gefährliche Welt zu. So zumindest die Kritiker, denen ich als technikbegeisterter Mensch zustimmen muss. Das Internet der Dinge bietet viele Chancen, die jedoch richtig genutzt und vor allen Dingen behutsam eingeführt werden müssen. Von Absicherung der Gadgets, geschweige denn von Sicherheitskonzepten, ist beim Internet der Dinge nichts zu sehen. Denn diese Entwicklungen würden Geld kosten, viel Geld. Schon jetzt werden smarte Fernseher von Trojaner gekapert und der Nutzer zur Zahlung eines Lösegeld aufgefordert (Heise-Meldung vom 02.01.2017). Vielleicht sieht die Zukunft auch so aus:

  • Sie möchten Ihr Auto nutzen? Bitte zahlen Sie 1.000 US$ als BitCoin.
  • Sie möchten in Ihr Smart-Home? Bitte zahlen Sie 1.000 US$ als BitCoin.
  • Sie möchten aus Ihrem Smart-Home? Bitte zahlen Sie 1.000 US$ als BitCoin.
  • Sie möchten mit Ihren Thermomix wieder kochen? Bitte zahlen Sie 500 US$ als BitCoin.

Eine weitere Gefahr hat der Großangriff auf Router der Telekom gezeigt. Von Hackern übernommene Geräte können als "Cyberwaffe" für groß angelegte Angriffe auf Infrastrukturen missbraucht und dadurch lahmgelegt werden. Durch das Anwachsen an IoT-Geräten wächst diese Gefahr exponentiell.

Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Das Geschäftsmodell "Erpressung" hat sich auf PC & Co. bewährt und ist ein Milliardengeschäft. Aufgrund der fehlenden Sicherheitsgedanken bei den Herstellern wird dieses Modell in Zukunft tatkräftig unterstützt und der Kunde zahlt doppelt. Liebe Industrie, statt Geld für "smarte" Werbung auszugeben, um auf den IoT-Zug aufzuspringen, investiert lieber in vernünftige sinnvolle Technik mit ordentlicher Sicherheit. Der Kunde dankt's, nach der ersten BitCoin-Überweisung.

Smarte Grüße

Ihr
J. Mainka